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Dieser Einsatz sollte der wohl bislang dramatischste werden, den die Feuerwehr Petterweil in ihrer Geschichte zu bewältigen hatte. Ein bis dahin schöner 1. Mai nahm im Laufe das Nachmittages eine dramatische Wendung. Die Einsatzkräfte sahen sich einer Lage gegenüber die bis dahin noch nie einer von ihnen so erlebt hatte.
Der erste Mai war ein warmer, sonniger Feiertag 1998. Das nutzen natürlich viele Menschen aus, und gingen unterschiedlichen Aktivitäten nach. Auch auf dem Gelände des Obst- und Gartenbauvereins Petterweil mit seinen Kleingartenparzellen war an diesem Tag viel los.
Doch gegen 14:00 Uhr nahm diese Idylle eine dramatische Wendung.
In einem der Gärten hielt sich eine junge Familie auf. Auch die damals 1 1/2 jährige Tochter war natürlich dabei. Die Eltern widmenten sich der Pflege ihres Gartens, die kleine Tochter spielte teils unbeaufsichtigt, teils mit den anderen Kindern in den angrenzenden Gärten und dem Garten der Eltern.
Aus ungeklärter Ursache geriet sie dabei in ein vermutlich unerlaubt gebohrten Brunnenschacht. Dieser Schacht war mit einem PVC Rohr ausgefüllt, daß einen Durchmesser von ca. 40cm hatte, und in der Länge mehr als 4m in die Erde versenkt worden war. Sie rutschte dabei so tief in das Rohr hinein, daß man sie mit den Händen nicht mehr greifen konnte. Leider war sie bis zum Grundwasser, das im Rohr anstand gerutscht, und drohte nun in dem Rohr zu ertrinken, da das Wasser ihr buchstäblich bis zum Hals stand. Dem Umstand, daß sie eine Windel trug die sich mit Wasser vollsaugte ist es zu verdanken, daß sie nicht noch tiefer rutschte sondern stecken blieb.
Als die Situation von den Eltern bemerkt wurde, begann eine dramatische Rettungsaktion. Herbeigeeilte Nachbarn aus den anderen Gärten begannen sofort mit Spaten und Schippen sich an dem Rohr entlang zu dem Kind nach unten zu Graben. Doch ihre Bemühungen konnten auf Dauer nicht den gewünschten Erfolg bringen, sie waren zu wenig, und die Kräfte schwanden bald sehr rasch.
Gleichzeitig wurde versucht ein Notruf abzusetzten. Dies erwies sich jedoch als sehr schwierig, weil die Netzabdeckung zu der Zeit noch nicht optimal war, und so niemand Empfang mit seinem Mobiltelfon hatte. Also machten sich einige auf den Weg in die nicht weit entfernte Heitzhöferstrasse, um dort bei Bewohnern zu klingeln und einen Notruf abzusetzen. Gleichzeitig machten sich zwei Personen auf den Weg zum Feuerwehrgerätehaus in der Hoffnung, dort eventuell Angehörige der Feuerwehr anzutreffen, oder zumindest dort irgendwie Hilfe holen zu können. In ihrer Not wussten sie sich nicht anders zu helfen, und betätigten den damals noch zugänglichen Druckknopf für die Sirene. Durch die Betätigung der Sirene machten sich natürlich einige Feuerwehrleute auf den Weg zum Gerätehaus, gleichzeitig alarmierte aber auch schon die Leitstelle Wetterau die Feuerwehren Petterweil, und Gross Karben, sowie den ASB mit RTW und NEF.
Da durch die Alarmierung mit der Sirene schon einige Feuerwehrleute am Gerätehaus waren, konnte nach kurzer Zeit das LF 16/12 mit einer Gruppe in Richtung Kleingartengelände ausrücken. Die anderen Einheiten folgten in kurzen Abständen.
Der Gruppenführer erkundete die Lage, und entschied erst einmal, daß die Einsatzkräfte die mittlerweile erschöpften Kleingärtner ablösen und die Grabungsarbeiten mit Spaten und Schippen fortsetzten sollten. Doch auch bei den Einsatzkräften forderte diese mühsame Arbeit, bei der kein Vorankommen zu erkennen war ihren Tribut ein. Es wurde veranlasst, daß THW mit schwerem Räum- und Bergungsgerät zu alarmieren. Zwischenzeitlich wurde immer versucht von oben beruhigend auf das Kind einzuwirken, was aber verständlicher Weise keinen Erfolg hatte. Auch die Eltern mussten betreut werden, dies übernahm der anwesende Notarzt zusammen mit dem ebenfalls alarmierten Krisen- Interventionsteam des Hochtaunuskreises.
Ein Kamerad kam dann auf die Idee, daß es in der Gärtnerei, die nicht weit von der Einsatzstelle entfernt lag einen Bagger gäbe den man für diese Arbeit sicher gebrauchen könnte. Sofort wurde veranlasst, daß dieser Bagger an die Einsatzstelle gebracht wurde. Dies dauerte glücklicher Weise nur 5 Minuten, dann konnte damit begonnen werden an dem Rohr entlang in die Tiefe zu graben.
Dadurch, daß das Rohr in den Seitenwänden perforiert war, konnte das Grundwasser nun ablaufen, und das kleine Mädchen hatte mehr Luft zum Atmen. Jedoch verblieb immer ein Grundwasserspiegel im Rohr.
Abwechselnd arbeitete man sich mit Bagger und Handarbeit immer weiter ins Erdreich vor, jedoch verliefen die Arbeiten jetzt weitaus zügiger.
Doch plötztlich nahm die Situation, die bis dahin im Griff schien nochmals eine dramatische Wende. Das Kind rutschte nochmals ca. 30cm tiefer ins Rohr, und versank jetzt komplett im Grundwasser. Nun mussten die Einsatzkräfte alles auf eine Karte setzten. Eine Feuerwehrleine wurde am oberen Teil des Rohres befestigt, das andere Ende am Ausleger des Baggers. Jetzt zog der Bagger das Rohr aus der Erde. Das Kind war aber bereits tiefer abgerutscht und war nun nicht mehr im Rohr.
Nun sprang der Vater des Kindes den es nicht mehr am Rand des Lochs hielt hinunter und griff in das Wasserloch. Er bekam seine Tochter zu fassen und zog sie hinaus. Er musste von den Einsatzkräften etwas ernergisch dazu bewegt werden sie nach oben zu geben, damit sie vom Notarzt versorgt werden konnte. Dies tat er dann aber auch. Noch während der Erstverorgung durch den Notarzt des ASB veranlasste man die Alarmierung des RTH Christoph 2 aus Frankfurt.
Dieser brachte dann das Kind in eine Kinderklinik, die sie dann aber bereits nach wenigen Tagen verlassen konnte. Das Mädchen hatt keine gesundheitlichen Schäden davon getragen.
Dieser Einsatz bekam in der Öffentlichkeit viel Aufmerksamkeit. Während der Rettunsgmaßnahmen hatten sich zahlreiche Petterweiler auf dem Kleingartengelände eingefunden, da die Nachricht von dieser Rettungsaktion sehr schnell die Runde im Ort gemacht hatte.
Im September dann wurde der Einsatz für die Sendung "Notruf" auf RTL verfilmt und dort auch gezeigt.
Auch bei diesem Einsatz zeigte sich mal wieder, wie wichtig es ist, daß die Sirene der Öffentlichkeit zugänglich ist wenn man versucht Hilfe zu holen. Denn die meisten Einsatzkräfte haben sich bereits nachdem die Sirene angelaufen war auf den Weg zum Gerätehaus gemacht. Die Funkmeldeempfänger gingen erst später auf, als das erste Auto schon fast auf dem Weg war.
Eigesetzt waren die FF Petterweil mit 15 Einsatzkräften, die FF Gross Karben mit 9 Einsatzkräften, der ASB Karben mit RTW und NEF, das THW (auf der Anfahrt), RTH Christoph 2, KIT Hochtaunus, Polizei Bad Vilbel und der ortsansässige Gärtner mit seinem Bagger.
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